
Selten zuvor war der Weitsprungwettbewerb einer U23-Europameisterschaft so spannend, unterschieden so wenige Zentimeter die Besten: Der undankbare Rang fünf blieb Lena Malkus vom SC Preußen 06 e.V. Münster am Ende in Tallinn/Estland. Dabei waren die 6,64 m die beste Weite einer Fünfplatzierten überhaupt bei solchen Titelkämpfen. Die ersten Fünf trennten nur neun Zentimeter.
Die 21 Jahre alte Titelverteidigerin, die ihren letzten großen Juniorenwettkampf bestreiten sollte, musste schon vor der Qualifikation mit einem Handicap fertig werden. „Kaum war sie gelandet, warf ein Infekt sie zurück“, erklärte Preußentrainer Frank Bartschat. Zwei Tage lang durfte sich Lena Malkus dem Gesundwerden widmen, nicht aber dem Training und den wichtigen Einheiten fürs Selbstvertrauen. „Imponierend war, wie sich Lena durchgekämpft hat.“
28 Athletinnen nahmen die Qualifikation auf, zwölf Finalplätze waren zu besetzen. Lena Malkus gelang das als Elfte mit 6,22 m. Nur um Sekunden versetzt lief auf der anderen Anlage die U20-Europameisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) zum ersten Versuch an und setzte mit 6,75 Metern ein Zeichen. Lena Malkus – mit der blauen Startnummer als Jahresbeste (6,94 m) unterwegs – beschrieb gegenüber leichtathletik.de, dass sie „im ersten Sprung leider irritieren ließ“ und nach dem ungültigen Vorsicht walten lassen musste.
Im Finale tags drauf legte Lena Malkus eine Marke von 6,64 m vor, gleich im ersten Versuch und bei leichtem Gegenwind. Damit führte sie in diesem Durchgang lange, ehe Malaika Mihambo an der Reihe war. Mit Rückenwind kam die Konkurrentin direkt auf 6,73 m. Der sollte letztlich zur Goldmedaille reichen für die Heidelbergerin.
Acht Starterinnen durften weitermachen nach den ersten drei Runden, die Preußenathletin setzte aber auch ihren vierten Versuch ungültig. Und die 5,83 m danach kosteten den Medaillenrang, denn die Britin Jazmin Sawyers legte eine persönliche Bestmarke vor und schob sich mit 6,71 m auf Rang zwei vor der Rumänin Alina Rotaru (6,69 m). Lena Malkus kam nicht mehr in den Rhythmus, auch der sechste Satz war nicht gültig, weshalb sie Rang vier noch verlor. „Wir haben Lena wiederholt von weiter hinten anlaufen lassen, aber das läuferische Problem blieb“, sah Frank Bartschat eine nicht verzagende Athletin, die gerade im fünften Versuch viel verschenkte.
Mit bloßem Auge sind 6,73 m von 6,64 m nicht zu unterscheiden. „Das ist fast nichts, was dazwischen lag“, sagte Frank Bartschat, der wie die DLV-Beauftragte Elke Bartschat den Frust der Starterin teilte, aber auch feststellte: „Pauschal von einer Enttäuschung zu sprechen, ist nicht angemessen angesichts eines solchen Wettkampfs unter solchen Voraussetzungen. Wir Trainer sind stolz darauf, wie sich Lena den Bedingungen gestellt hat.“
Text: Thomas Austermann





